Festschrift 1977

Festschrift 100 Jahre Stettiner Yacht-Club e.V.

 Dr. Ernst Dehl, Lübeck

Zum Geleit

Von den vielen deutschen Sportvereinen aus dem Osten unseres Vaterlandes gibt es nur wenige, die auch heute noch den Namen ihrer alten Heimat tragen.

Der Stettiner Yacht Club e. V.‚ Lübeck, geht zurück auf einen Zusammenschluß von 26 wassersportbegeisterten Seglern und Ruderern‚ die in der alten Handelsstadt Stettin eine Gemeinschaft bildeten, der sie den Namen „Verein Stettiner Segler“ gaben, der wenige Jahre danach in „Stettiner Yacht Club“ umbenannt wurde.

Nach der Gründung des Deutschen Reiches 1871 begannen Handel und Schiffahrt zu blühen. Die Stettiner Kaufherren hatten zahlreiche Beziehungen zu England, wo der Segelsport schon lange begeisterte Anhänger gefunden hatte. Diese Begeisterung übertrug sich schnell und bald gab es Boote in Stettin, die in England gebaut und sehr schnell auch solche, die auf Stettiner und umliegenden Werften entstanden waren, denn die geradezu idealen Gewässer um Stettin boten reichlich Gelegenheit, den Segelsport auszuüben.

Keines der Gründungsmitglieder hätte je ahnen können, daß der 100iährige Geburtstag ihres Segelclubs nicht in ihrer Heimatstadt Stettin, sondern in der Hansestadt Lübeck begangen würde. Als ganz unmöglich wäre es ihnen wohl auch erschienen, hätte man ihnen damals vorausgesagt, daß Stettin einmal den polnischen Namen Szczecin tragen würde.

Und geht es den noch lebenden Mitgliedern aus Stettin nicht ähnlich? Lange wollten und konnten sie nicht an diese grausame Wirklichkeit glauben. Es sind nun schon 32 Jahre vergangen seit jenem schrecklichen Schicksalsjahr 1945 — fast ein Drittel der gesamten Clubgeschichte überhaupt.

Dank gebührt den Männern, die in den Notzeiten nach 1945 trotz Elend und Hunger unserem Club die Treue hielten. Ihnen verdanken wir es, daß wir in diesem Jahr das seltene Jubiläum des l00jährigen Bestehens in den Mauern der Stadt Lübeck, der Patenstadt unseres alten Stettin, feiern können.

Es lohnt sich schon, in den noch erhaltenen alten Jahrbüchern aus dem letzten Viertel des vorigen Jahrhunderts herumzublättern und von einer Zeit zu lesen, die in ihrem äußeren Erscheinen, ihrem Geist und ihrer Einstellung so ganz anders war.

1877 — 1945 in Stettin

Und so begann es. Gemeinsame Interessen und die Sorge um die in den Stichkanälen der Oder unbeaufsichtigt liegenden Boote führten am 29. Oktober 1877 zur Gründung des „Vereins Stettiner Ruderer und Segler“. Das Protokoll dieser Gründungsversammlung war der „Geburtsschein“ unseres „Stettiner Yacht Clubs“. Keiner der Teilnehmer jener Versammlung hat wohl jemals geahnt, welche Bedeutung dieser Vereinigung einmal zukommen und welches Schicksal ihr beschieden sein würde. Zum Vorsitzenden wurde Julius Nipprasch gewählt, als Stander ein weißer Wimpel mit drei senkrechten blauen Streifen und einem goldenen Stern eingeführt. Man beschloß einen Monatsbeitrag von einer Mark und stellte ein Jahresprogramm für 1878 folgenden lnhalts auf:

– Eröffnungssegeln am 28. Mai
– Segelregatta am 2. Juni
– Ruderregatta am 4. August sowie drei „Wasserkorsen“

worunter wohl Schleppfahrten mit über die Toppen geflaggten Booten und einer Musikkapelle auf dem Schleppdampfer zu verstehen sind.

Die geplante Segelregatta scheiterte. Es gab schon damals Unklarheiten bei der Vermessung der Boote. Und auch die 1879 vorgesehene Regatta, für die fünf Segelkutter („Delphin“, „Boreas“, „Nestor“‚ „Gut Heil“, und „Hela“) bei einem Startgeld von drei Mark gemeldet hatten, fiel ins Wasser. Sie wurde erst 1883 ausgetragen und von der „Boreas” gewonnen.

Die Segelei gewann in jenen Jahren jedoch trotzdem sehr schnell an Boden. Nach dem Ausscheiden der Ruderer nahm der Verein 1886 unter dem gleichen Vorsitzenden den Namen „Verein Stettiner Segler” an. Der Stander wurde blaugrundig mit einem schwarzen „S” in weißer Raute. Wenige Monate später ging der Vereinsvorsitz an Johann Nüske über.

1886 kam aber auch das Regattageschehen nicht mehr zu kurz, An den Seeregatten am 19. Juli vor Swinemünde, ausgerichtet vom Berliner Regatta Verein, nahmen die Yachten „Hay” und „Möwe“ des Vereins teil, bei der Binnenregatta am 20. Juli vertraten die „Stettin“ und die „Arion“ den Verein Stettiner Segler. Am 19. September starteten — nach vorheriger Vermessung — 10 Yachten auf dem Dammschen See. Startschiff war die Dampfyacht „Möwe“ des Herrn Pasenow.

1887 versuchte der Vorstand, die bislang verstreut liegenden Yachten gemeinsam unterzubringen. Man mietete einen Stichkanal am Grundstück von James Stevenson auf der Tirpitzinsel für eine Monatsmiete von 10 Mark. Eine große Tafel mit der Aufschrift „Verein Stettiner Segler“ ließ erstmals das Gefühl aufkommen, ein gemeinsames Zuhause zu haben. Erster Vorsitzender wurde in diesem Jahr Herr Blumcke.

Seine erste Clubyacht erstand der Verein im Jahre 1888. Sie hatte eine Länge in der Wasserlinie von 9 m, eine Breite von 3 m und wurde auf den Namen „Oder“ getauft. Es war aber wohl kein guter Kauf, denn einige Jahre später wurde dieses Boot bereits wieder für 100 Mark abgegeben. Für den neuen Hafen wurde im gleichen Jahr ein Bootsmann angestellt und ein Fährboot erworben. Im Herbst 1888 wurde Konrad Schiffmann nach kurzem Vereinsvorsitz von Herrn Brauer neuer Vereinsvorsitzender des mittlerweile 14 Yachten zählenden Clubs. 85 Mitglieder waren zu dieser Zeit ins Vereinsregister eingetragen.

1889 war ein Jahr besonderer Bedeutung für die Geschichte des Clubs. An die Spitze des Vereins trat Franz Koppen, der in der Folgezeit zielstrebig bemüht war, dem Verein die wichtigste Grundlage, nämlich einen eigenen Hafen und ein eigenes Grundstück, zu verschaffen. Er veranlaßte auch den Eintritt des Vereins in den Deutschen Segler Verband, der ein Jahr zuvor gegründet worden war. Damit verbunden waren die Schaffung einer neuen Satzung und die Umänderung des Standers, der nach den Bestimmungen des Verbandes keine Buchstaben führen durfte. So entstand der schöne Stander, den noch heute die Boote des Stettiner Yacht Clubs führen, den roten Greifenkopf in weißer Raute auf blauem Feld.

Die Segelregatta des Jahres 1889 auf dem Dammschen See wurde erstmals nach den Wettfahrtbestimmungen des DSV gesegelt. Damit entfiel das bislang übliche Starten vor Anker.

Festschrift_1977_001Interne Segel-Regatta am 26. Mai 1889 auf dem Dammschen See

Durch den Verkauf von Losen zum Preis von fünf Mark war ein kleines Kapital geschaffen worden, um den damaligen Hafen mit einer Slipanlage auszurüsten. Bevor es jedoch dazu kam‚kündigte der Besitzer des Grundstücks dem Verein die weitere Nutzung des Hafens und auch des Stichkanals. So war man gezwungen, sich nach einer neuen Bleibe umzusehen. Aber bei dem hohen Wert der Wassergrundstücke an der Oder blieben alle diesbezüglichen Versuche zunächst erfolglos.

Im Jahre 1889 gab der Verein erstmals ein Jahrbuch heraus, das aber leider nicht mehr erhalten ist. In diesem wurden zwei verdiente Clubmitglieder geehrt. Konteradmiral Pirner wurde Ehrenpräsident, Geheimrat Schlutow Ehrenmitglied des Vereins.

1890 wurde die Hafenfrage, die sich zu einer Frage des Überlebens für den Club zugespitzt hatte, durch die Opferbereitschaft vieler Mitglieder und das energische Handeln des Vorsitzenden glücklich gelöst. Für den Ankauf und Ausbau eines eigenen Grundstücks waren rund 20.000 Mark erforderlich. Als diese

Festschrift_1977_002Hafeneinfahrt und Haus des Vereins Stettiner Segler

Festschrift_1977_003Bootshafen des Vereins Stettiner Segler

aber trotz Beitragserhöhungen und Zeichnungen aus der Mitte der Mitglieder nicht aufgebracht werden konnten, kaufte Franz Koppen schnell entschlossen und auf eigenes Risiko ein zwischen Frauendorf und Gotzlow gelegenes 1 ha großes Wassergrundstück. Schon in der April-Generalversammlung konnte er berichten, daß er durch Hypotheken und Zeichnungen 15‚000 Mark erhalten
hätte. ln dieser Versammlung am 18. April sagte er: „Meine Herren, ich habe keine Bedenken getragen, auf die Bedingungen einzugehen und das Risiko zu übernehmen, Ich halte es für kein Risiko; denn
ich glaube fest an das Aufblühen unseres Vereins und unseres Sports, besonders nachdem wir in den Besitz eines eigenen Grundstückes und sicheren Hafens auf dem diesseitigen Ufer gekommen sind”.

Und Franz Koppen, weit vorausblickend, sollte Recht behalten. Das angekaufte Grundstück wurde mit Baggergut um etwa 1,50 m aufgeschüttet. Es umschloß einen 50 m langen und 27 m breiten Hafen mit einem 70 m langen und 10 m breiten Zufahrtskanal. Als Vereinshaus erwarb man Teile der Züllchower Badeanstalt und errichtete daraus ein kleines Clubhaus — 13,94 m lang und 9,23 m breit. Es wurde auf ein massives Fundament gestellt und mit Aussichtsturm und Veranda versehen. Neben der Bootsmannswohnung und einigen Kammern erhielt es ein Clubzimmer für 50 Personen. Mit der Slipanlage hatte
der Club für insgesammt 19.000 Mark einen eigenen Hafen geschaffen — für 80 Mitglieder mit 14 Yachten eine Heimstatt für lange Zeit.

Wie sahen nun die Boote aus, die damals zum Stolz des Vereins den neuen Hafen füllten? Es waren Kutter mit geradem Vorsteven und lang auslaufendem Vierkantheck. Sie waren meist schwarz gemalt mit goldener Bug- und Heckverzierung. Sie besaßen eine Kajüte mit großen viereckigen Fenstern und einer Einrichtung aus Mahagoni. Meist schloß der Mast die Kajüte nach vorn ab. Vor ihm war das Reich des Bootsmannes mit einer Klappkoje und dem Herd mit Holzkohlefeuerung oder auch schon Petroleum. Die Zubereitung der Mahlzeiten gehörte nämlich zu den Bootsmannspflichten. Ein tiefes gemütliches Cockpit war charakteristisch für diese Boote, denn ein Platz für einen Motor wurde noch nicht benötigt. Über den Vordersteven ragte ein Klüverbaum, der fast ein Drittel des Bootes ausmachte, und auf dem kräftigen Untermast saß eine lange Stenge. Die Hauptfallen, Klau- und Piekfall, fuhren an Kettenstropps. Die Besegelung bestand aus dem Großsegel, dessen Baum weit über das Heck hinausragte, Dreikant— oder Vierkanttopsegel, Fock, Klüver, und Flieger, dazu als leichte Beisegel Ballon, einer heutigen Leichtwetter—Genua entsprechend, und Spinnaker.

Diese Yachten segelten relativ langsam. Auch ihre Höhe am Wind entsprach kaum heute üblichen Werten. Aber man hatte damals ja auch noch Zeit, viel mehr Zeit als heute. Bei schlechtem Wetter wurde die Stenge gefiert, ein Manöver, das im modernen Yachtsport sicherlich kaum bekannt ist. Aber ein Kutter jener Tage bei schwerer See, starkem Wind, mit dicht gerefften Segeln und gestrichener Stenge, daß war ein erhabener und prächtiger Anblick von Anmut Kraft und Stärke.

Es gab zu jener Zeit noch keine Wantenspanner. Alles war auf Jungfern gesetzt, die Wanten waren ausgewebt. Dicke Pardunen hielten Mast und Stenge an der Luvseite. So eine Yacht von 12 rn Länge und 15 bis 20 t Gewicht, mit Langkiel und entsprechend großem Drehkreis, war nicht gerade leicht zu manövrieren. Und das in Häfen, die oft kleiner waren als die heute bekannten.

Das Jahr 1891 bescherte dem Verein auf Betreiben des 1. Vorsitzenden dann seinen endgültigen Namen „Stettiner Yacht Club”. Die Mitgliederzahl stieg auf 119, die Zahl der im Hafen liegenden Yachten auf 17.

Auf Bitten des Clubs stiftete der Kaiser einen Wanderpreis für die Seeregatta vor Swinemünde, die nun jedes Jahr veranstaltet wurde. Es war ein kostbarer silberner Tafelaufsatz im Stile jener Zeit, dem damaligen Geschmack entsprechend. Er ging erst nach vielen Jahren in den Besitz seines Eigners über, obwohl er dreimal ohne Reihenfolge gewonnen werden mußte. Zwei weitere Regatten auf Binnenrevieren vervollständigten das Regattaprogramm dieses Jahres.

1892 wurde die Satzung des Clubs ergänzt. Das Amt des Hafenmeisters‚ der dem Vorstand angehörte, wurde neu geschaffen. Am Himmelfahrtstag des gleichen Jahres wurde der Club von einem schweren Unglück betroffen. Während einer Regatta auf dem Dammschen See kenterte in einer schweren Bö die Yacht „Arion“ und zwei Segler ertranken.

In diesem Jahr nahm aber auch erstmals eine Yacht des St. Y. C. an einer auswärtigen Regatta teil. Es war die „Delphin” von Eugen Pasenow, die an den Regatten in Kiel und bei einer Seewettfahrt von der Fördestadt nach Travemünde teilnahm. Veranstalter dieser Wettfahrten war der NRV. Einen Preis konnte die „Delphin” allerdings nicht mit nach Hause bringen, das gelang erst der Schwertyacht „Auguste“‚ die in der Regatta des Berliner Yacht Clubs den 1. Preis in ihrer Klasse erhielt. An der Seeregatta um den Kaiserpreis nahmen 13 Yachten teil, darunter 6 Boote des St. Y. C. Gewonnen wurde diese Regatta jedoch von der Berliner Yacht „Klabautermann“.

Ganz ohne eigene Regatten verlief das Jahr 1893, weil alle verfügbaren Mittel für den weiteren Ausbau des Hafens und für ein 240 m langes Bollwerk zur Oder hin benötigt wurden. 1894 zählte der
St. Y. C. bereits 133 einheimische und 12 auswärtige Segler. 18 Yachten lagen in dem clubeigenen Hafen. Das Jahresprogramm, das auch in den nachfolgenden Jahren beibehalten wurde, war bestimmt durch das Ansegeln, die gemeinsame Pfingstfahrt‚ eine erste interne Regatta, eine verbandsoffene Seeregatta vor Swinemünde, eine zweite interne Regatta und das Absegeln. Im Winter wurde das Stiftungsfest mit einem Essen und anschließendem Ball gefeiert.

Die Seeregatta des Jahres 1894 fand am 8. Juli statt. An ihr beteiligten sich insgesamt 22 Yachten, darunter 13 vom St.Y.C. 3 Yachten kamen aus Kiel und 5 weitere aus Berlin. Internationalen Charakter erhielt diese Regatta durch die Meldung der britischen Yacht „Carina“ des Admirals Montagu. Erstmals in diesem Jahr gewann eine Yacht des St. Y. C. den wertvollen Kaiserpreis, und zwar die „Wiking“ von Max Braconier. lm gleichen Jahr nahm auch die Stettiner „Ariadne” an der Seewettfahrt des Segelclubs „Rhe“ vor Pillau teil.

Ein großer Verlust für den St. Y. C. war das Ausscheiden des. 1.Vorsitzenden Franz Koppen, der nach Varel übersiedelte. Der Club dankte diesem aktiven und verdientsvollen Mann durch die Ernennung zum Ehrenmitglied. An seine Stelle wurde Max Braconier zum 1. Vorsitzenden gewählt.

Im Hafen wurde an der Nordseite ein Spierenschuppen gebaut. Auch einige Kammern wurden eingerichtet. Das hierfür notwendige Holz hatte man preisgünstig aus den Trümmern des Turmgebälks der Jakobikirche erstanden, das am 12. Februar einem orkanartigen Südweststurm zum Opfer gefallen war.

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1. Kaiserpreis 1891

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„Ariadne“

Ein weiterer wichtiger Meilenstein in der Geschichte des St. Y. C. war das Jahr 1896. Das 1890 aus der alten Badeanstalt errichtete Clubhaus reichte für den ständig wachsenden Club nicht mehr aus, auch wurde seine Unterhaltung wegen zunehmender Schwammbildung zu kostspielig. So beschloß man auf der Generalversammlung am 22. März, das alte Clubhaus durch einen Neubau zu ersetzen. 25.000 Mark mußten für dieses Vorhaben bewilligt werden.

Die Bauarbeiten am neuen Gebäude gingen flink voran und schon im Winter war das Haus im Rohbau fertig. Der rote Ziegelbau war — den Mitteln entsprechend — einfach gehalten, er genügte aber den Ansprüchen des Clubs voll und ganz. Ein 11,24 m langer und 9,5 m breiter Saal bot Tischplätze für 110 Personen. Das angrenzende Herrenzimmer maß 11,24 m mal 4 m und faßte weitere 50 Personen, so daß bei geöffneten Türen 160 Personen reichlich Platz hatten. Für die Damen war ein besonderes Zimmer mit anschließender Garderobe eingerichtet worden.

Im oberen Stock lagen 2 Clubzimmer und die Wohnung des Bootsmannes. Große Bodenräume dienten als Segelkammern und Geräteraum. Eine große Veranda nahm die gesamte Vorderfront des Hauses ein, sie war nach Osten offen und nach Norden durch Glaswände geschützt. Auf ihr fanden auf 20 m mal 4 m

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Clubhaus des St.Y.C. in Frauendorf

Fläche 80 Personen Platz. lm Frühjahr 1897 wurde das neue Haus eingerichtet und am 20. Juni feierlich eingeweiht und seiner Bestimmung übergeben.

Um die rechtlichen Belange des Clubs besser wahrnehmen zu können, hatte man die Verleihung der Rechte einer juristischen Person bei der Regierung beantragt. Das Corporationsrecht wurde darauf nach Änderung der Satzung durch Erlaß des Kaisers am 1. Februar 1897 verliehen.

Im Jahre 1898 verzeichnete der Club insgesamt 163 Mitglieder, ein Umstand, der wohl dem neuen Clubhaus mit seinen gesellschaftlichen Möglichkeiten zuzuschreiben war. lm darauffolgenden Jahr wurden umfangreiche Bollwerksarbeiten ausgeführt, ein Tennisplatz angelegt, der Hafen auf 3 m vertieft und das Grundstück mit einem neuen Zaun versehen. Die dafür notwendigen Gelder — 3.000 Mark — wurden wiederum durch Anteilsscheine aufgebracht. Um den Yachteignern und Anteilscheinbesitzern bei den Clubversammlungen mehr Stimmgewicht zu verleihen, wurden ihnen bis zu 3 Zusatzstimmen verliehen.

Zur Jahrhundertwende erschien erstmals ein Jahrbuch des St. Y. C., und zwar versuchsweise in Form von Vierteljahresmitteilungen als Vorläufer unseres heutigen Nachrichtenblattes. Auf mehreren Versammlungen wurde der Antrag eingebracht, die Corporationsrechte aufzugeben und den Club in das Vereinsregister einzutragen. Trotz Annahme des Antrages wurde dieser Beschluß erst viel später verwirklicht.

Durch die Erhöhung der Hafenmiete konnte ein neuer Slipwagen angeschafft und der Slip verlängert werden, so daß man auch die großen Yachten aufslipen konnte. Die Mitgliederzahl ging in diesem Jahr auf 131 Mitglieder zurück.

Im Jahre 1901 legte Max Braconier den Vorsitz aus Gesundheitsrücksicht nieder und als Anerkennung für seine großen Verdienste wurde er zum Ehrenmitglied ernannt. Nachfolger wurde Ernst Wegener. Durch laufende Unterhaltungskosten und notwendige Reparaturen war die Erhöhung des Jahresbeitrages von 24 Mark auf 36 Mark erforderlich, denn die Clubkasse hatte ein Defizit.

Nur zwei Wettfahrten wurden 1901 abgehalten, auf der Seewettfahrt vor Swinemünde starteten 12 Boote. „Lotti” und „Fliegende Wolke“ beteiligten sich an der Kieler Woche und den daran anchließenden Wettfahrten. 1902 beteiligten sich nur 9 Boote an der Seeregatta vor Swinemünde, die auch 1903 nur etwas besser besucht war. Zum ersten Mal wurde in diesem Jahr eine Haffregatta ausgeschrieben und mit Erfolg durchgeführt.

Im Jahre 1904 nahmen die vom Club veranstalteten Wettfahrten im Anschluß an die Kieler Woche in sich ostwärts fortsetzenden Wettfahrten mit der Ausgleichswettfahrt Warnemünde-Swinemünde ihren Anfang. Daran schloß sich die Seeregatta vor Swinemünde an, die infolge stürmischen Wetters hohe Anforderungen an Boote und Mannschaften stellten. Den Schluß der Wettfahrten bildeten eine Regatta auf dem Haff und eine vor Heringsdorf auf der Ostsee als Vorläufer der späteren Pommernwoche. Diese Veranstaltungen fanden große Beachtung und zeigten gute Meldeergebnisse vor allem auch von auswärtigen Vereinen.

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„Lotti“

1905 wurde der Hafen verbreitert und vertieft, denn die Finanzlage des Clubs hatte sich günstig entwickelt. Es konnten daher auch namhafte Beträge von Anteilscheinen ausgelost werden. Wieder fand eine Ausgleichswettfahrt Warnemünde-Swinemünde, zwei Dreieckskurse vor Swinemünde und Heringsdorf sowie eine Haffregatta statt, dabei zeigte sich das Seebad Heringsdorf sehr interessiert und stiftete mehrere Klassenpreise.

Die deutschen Seglertage wurden seit ihrem Bestehen vom Club regelmäßig besucht, Herr Koppen und Herr Braconier gehörten dem Vorstand des DSV an. Die wachsende Bedeutung des St. Y. C. innerhalb des DSV zeigte sich auch in der hohen Anzahl von 8 Stimmen, mit denen die Stettiner Farben dort vertreten waren und bewies, daß das Bestreben, auf dem Wettfahrtgebiet das möglichste zu leisten, der richtige Weg war.

Im Frühjahr 1907 trat ein Vorstandswechsel ein. An die Stelle Ernst Wegners, der zum Ehrenmitglied ernannt wurde, übernahm Kurt Krey das Amt des Vorsitzenden, das er 21 Jahre lang zum Wohle des Clubs innehatte. Er war eine tatkräftige Persönlichkeit, die das Geschick des Clubs in zielbewußter und energischer Weise zu leiten wußte. Selbst ein leidenschaftlicher tüchtiger Segler, insbesondere als Regattateilnehmer, hat er den Club zu hohem Ansehen gebracht und ihm einen hervorragenden Platz unter den Segelvereinen Deutschlands erobert. lm DSV war er ein geachtetes Vorstandsmitglied und vertrat die Interessen des Clubs mit großem Geschick.

Bei den Regatten traten einige Änderungen ein. Die Wettfahrt Warnemünde-Swinemünde wurde geteilt und Saßnitz als Zwischenstation eingeschoben. Die Haffregatta fand nicht statt. Die Yachtflotte vergrößerte sich erfreulich. 14 neue Yachten, darunter die 14 Sl-Yacht „Lotti“ und die 12 Sl-Yacht „Margarete“‚ beide als Yawl getakelt und mit etwa 250 qm am Wind, dazu der Schoner „Flamingo“ von derselben stattlichen Größe sowie die 24 m lange Yacht „Lieschen“. stießen zur Flotte. Letztere hatten im Hafen gerade noch Platz. Durch eine Spende anläßlich des 30-jährigen Stiftungsfestes wurden die „Vineta“ und „Herta“ als Club-Yachten angekauft. Die Yachten „Lotti“, „Greif“ und „Elly“ nahmen an der Ostlandregatta vor Neufahrwasser und Pillau teil.

1908 wurde als dritte Clubyacht die 10 Sl-Yacht „Arkona“ angeschafft, um den Nichteignern Gelegenheit zu geben, größere Seereisen in eigener Verantwortung durchzuführen. Der Besuch der Seeregatten litt in diesem Jahr etwas unter der zeitlichen Überlappung mit der Oeresundwoche. Zum ersten Mal zeigte der Schoner „Flamingo“unsere Farben in Stockholm.

Festschrift_1977_008,,Flamingo“

1909 wurde die Yachtflotte durch eine weitere 14 Sl-Yacht vergrößert. Herr Manasse stellte sie unter den Namen „Schneewittchen“ in Dienst und beteiligte sich zusammen mit der „Lotti“ und dem „Greif“ an der Oeresundwoche. Zusammen mit vielen anderen Yachten des St. Y. C. wurde eine Ausgleichsregatta Kopenhagen—Saßnitz gestartet. Der Schoner „Flamingo“ segelte als erstes Boot des St. Y. C. nach Göteborg und Oslo.

Ein schwerer Schlag traf 1910 die Tätigkeit des Clubs auf dem Regattafeld. In diesem Jahre lief die vom DSV bewilligte Übergangszeit für die nach dem alten Meßverfahren gebauten Yachten ab. Von diesem Zeitpunkt an durften auf offenen Seeregatten nur noch Yachten starten, die nach dem neuen internationalen Meßverfahren gebaut wurden. Die damit zugleich in Kraft getretene Klassifikationsvorschriften machten es unmöglich, die alten Yachten den neuen Regeln anzupassen. Vorstellung beim DSV hatten keinen Erfolg, so daß sich die Regattatätigkeit auf 3 interne Regatten, darunter eine Nachtregatta beschränkte. Der Schoner „Flamingo” zeigte auf einer Reise nach: Ostende und Dover unseren Stander zum ersten Male auf der Nordsee.

Eine Anerkennung und Würdigung seiner Verdienste um den Segelsport in Pommern wurde dem Club 1911 zuteil. Prinz Eitel Friedrich, derzeitiger Stadthalter von Pommern, übernahm des Protektorat über den St. Y. C. Wie auch im Vorjahre war jedoch die Regattatätigkeit durch die neuen Bestimmungen gelähmt. Nur 2 interne Regatten und eine Seeregatta vor Swinemünde mit nur 4 Meldungen wurden veranstaltet. Trotzdem fand der Segelsport immer mehr Anhänger. Die Mitgliederzahl stieg auf 191.

Das Jahr 1912 war für den Club und den Segelsport in den pommerschen Gewässern von besonderer Bedeutung. Stettiner Yacht Club, Stettiner Segler Verein, A.S.V. zu Greifswald und Stralsunder Segler Verein gründeten den Pommerschen Regatta-Verband. Zweck das Verbandes war, den Segelsport zu fördern und Segelwettfahrten auf der Ostsee und den pommerschen’ Segelrevieren zu veranstalten. Geschäftsführender Verein wurde der
St. Y. C.

Der Erfolg blieb nicht aus. Die erste „Pommernwoche“ mit 3 Wettfahrten, zwei auf dem Haff und einer vor Swinemünde, hatte ein erfreuliches Meldeergebnis. 26 Yachten waren nach der Misere der letzten Jahre ein guter Anfang.

Der im Jahre 1901 gegründeten Juniorenabteilung wurde 1913 eine Schüler-Abteilung angegliedert. Duch die Gründung des Pommerschen Regatta-Verbandes erhielt die Pommernwoche einen größeren Aufschwung. Über eine Zubringer-Wettfahrt Warnemünde—Saßnitz gab es Regatten vor Stralsund und Greifswald, eine Seeregatta Saßnitz-Swinemünde und die Regatta Greifswald-Swinemünde. Mit den Dreieckskursen vor Swinemünde fand die Woche ihren Abschluß. Die Meldeergebnisse waren sehr gut.

Dieser erfreuliche Aufschwung setzte sich auch im Jahr 1914 fort. Die Wettfahrten wurden um eine 2. Dreiecksregatta vor Swinemünde und eine weitere Regatta auf dem Haff erweitert. Der Ausbruch des 1. Weltkrieges in den ersten Augusttagen beendete jedoch den Segelbetrieb vollständig. Zwar gelang es allen Yachten, rechtzeitig den schützenden Hafen zu erreichen, es wurde aber sofort
aufgeslipt, da jeder seine Einberufung erwartete. In den Jahren 1915 und 1916 ruhte der Segelsport fast vollständig. Zwar war die Besegelung der deutschen Binnengewässer gestattet, Regatten wurden jedoch nicht gesegelt.

Schon vor Beginn des Krieges bestand die Absicht, das benachbarte Grundstück im Süden anzukaufen, um eine Erweiterung des Hafens vornehmen zu können. Erst 1916 konnte diese Absicht verwirklicht werden, da wegen Erbstreitigkeiten der ursprüngliche Preis von 60.000 Mark auf 34.000 Mark herabgesetzt werden konnte. Der Kauf wurde durch Spenden mehrerer Mitglieder in Höhe von 20.000 Mark ermöglicht, die Zinsen für den Rest wurden durch die Pacht aufgebracht, die der Oder-Yacht-Club, der dieses Gelände gemietet hatte, zahlte. Der Oder-Yacht-Club ging am 1. April 1917 in den
St.Y.C. über.

Dann kam das letzte Kriegsjahr und mit ihm der Zusammenbruch Deutschlands im November 1918. Der Wunsch der heimkehrenden Soldaten nach Sport und Spiel nach jahrelangem Kampf war groß und drückte sich auch in wachsenden Mitgliederzahlen aus. 263 Mitglieder zählt die Mitgliedsliste auf und 25 Segelyachten, 7 Motoryachten und 2 Dampfyachten. Die Mitgliedszahlen stiegen auch 1919 noch an, man zählte 293 Mitglieder. Zum größten Bedauern der aus dem Krieg heimkehrenden jüngeren Mitglieder mußten die 3 Clubyachten wegen Überalterung leider verkauft werden. Für den Erlös wurden als Ersatz drei 30 qm Küstenjollen bei der Pommernwerft in Swinemünde in Auftrag gegeben, die 1920 geliefert wurden.

Festschrift_1977_009Küstenjollen beim Training
(Im Vordergrund „Vineta“ U 27)

Wegen der gespannten politischen Lage wurden Regatten nur in bescheidenen Rahmen durchgeführt. Der Pommersche Regattaverband beschränkte sich auf 3 Wettfahrten auf dem Haff, die am 19. — 21.6. durchgeführt wurden und trotz aller Schwierigkeiten ein gutes Meldeergebnis hatten. Zum ersten Mal durften in diesem Jahr auch wieder Touren auf der Ostsee gemacht werden.

Da während des Krieges alle Reparaturarbeiten am Haus und an der Hafenanlage notgedrungen entfielen und eine Erweiterung des Hafens unbedingt erforderlich war, beschloß man 50.000 Mark bereitzustellen, die durch Spenden und Anteilscheine in kurzer Zeit aufgebracht wurden.

Am 20. Oktober 1919 wurden die deutschen Segler durch Beschluß der Londoner Ententekonferenz von allen internationalen Regatten ausgeschlossen. So konzentrierte man sich bei Neubauten auf die nationalen Kreuzerklassen der 125 qm, 75 qm, 45 qm und 35 q\m Klasse. Besonders die 75 qm Kreuzerklasse wurde im St. Y. C. gefördert und Yachten dieses Typs, die heute noch auf dem Bodensee gefürchtete Gegner sind‚brachten dem Club auch die größten Regattaerfolge.

Auch das Jahr 1920 zeigte trotz der schweren Zeiten eine erfreuliche Weiterentwicklung des Clubs. Die Mitgliederzahl stieg auf 340 und die Yachtliste wies 61 Fahrzeuge auf. Die Pommernwoche erreichte wieder den Umfang und die Bedeutung, die sie vor dem Krieg hatte. 86 Yachten waren am Start und forderten den Mannschaften im heftigsten Gewitter alles ab. Dabei fand ein Segler beim
Kentern den Tod. Die See war nun auch wieder ganz frei für Fahrten in dänischen und schwedischen Gewässern, wenngleich auch die Minengefahr nicht ganz gebannt war.

Die neuen Küstenjollen, die auf die Traditionsnamen des Clubs „Arkona”‚ „Hertha“ und „Vineta“ getauft wurden, bewährten sich bei dem schweren Wetter auf der Pommernwoche sehr gut. Die Gleichartigkeit der Clubboote förderte die Trainingsmöglichkeiten, so daß auch die Jugendarbeit erheblich erleichtert wurde. Der 17.1.1922 war ein Meilenstein in der Entwicklung der Jugendarbeit des Clubs. An diesem Tage wurde eine selbständige Jugendabteilung mit eigenen Satzungen und eigenem Vorstand unter dem Namen „Greifenclub“ Jugendabteilung des St. Y. C. gegründet. Gründer und 1. Vorsitzender war Eckart Luhmann. Der „Greifenclub” führte einen eigenen abgewandelten Stander, der den roten Greif auf weißem Grund mit blauer Umrahmung zeigte, und regelte alle seine Angelegenheiten in eigener Regie. Ausbildung, Wanderfahrten, Regatten wurden durchgeführt. Zahlenmäßig waren es etwa 25 Jugendliche, die dem Greifenclub angehörten. Ein Vorstandsmitglied des St. Y. C., Ernst Weber, war Verbindungsmann und vertrat die Interessen derJugendlichen.

Der St. Y. C. übereignete 1923 die Küstenjolle „Hertha“ U 30 dem Greifenclub, so daß neben der Ausbildung auf den großen Yachten des Clubs, Trainingsfahrten, Touren und Regatten durchgeführt werden konnten. Die Beteiligung war äußerst rege und so konnten 1923 allein mit der „Hertha” 13 Regatten bestritten werden. Der Greifenclub bestand bis 1938, dann wurde er zu einer Abteilung der Marine H.J. gleichgeschaltet.

1924 nahm der Neubau eines Clubhauses und Hafens im nahegelegenen Gotzlow seinen Anfang. Die südlich des Clubgrundstückes liegende Ostseewerft erwarb, um ihren Betrieb erweitern zu können, auch das an der Nordseite des Clubgeländes anschließende Grundstück. Damit war die Clubanlage des St. Y. C. von der Werft umschlossen. Für die Yachtbesitzer war die Nachbarschaft qualmender Schornsteine, die Segel, Boote und Tauwerk mit einer Rußschicht überzogen, sehr ärgerlich. Auch wurde das Geräusch der Tag und Nacht arbeitenden Niethämmer auf die Dauer unerträglich, und viele Clubmitglieder verzichteten deshalb auf den Besuch des Clubhauses.

Von 1922 an geführte Verhandlungen mit der Werft wegen Ankauf unserer Grundstücke und zur Verfügungstellung eines in Gotzlow gelegenen Ersatzes zerschlugen sich durch die Inflation. Erst nach Einführung der neuen Währung wurden die Verhandlungen wieder aufgenommen. Sie führten zu einer Einigung, die in einem Vertrag vom 24.3.1924 festgelegt wurde. Hiernach sollte der Club seine beiden von der Werft umschlossenen Grundstücke in Frauendorf gegen die dem Werftbesitzer und St. Y. C.- Mitglied Retzlaff gehörenden Grundstücke des ehemaligen Sommerlokals Gotzlow und Neu-Gotzlow eintauschen. Herr Retzlaff mußte dem Club zur Anlage eines neuen Hafens und eines Clubhauses 400.000 RM zuzahlen. Der St. Y. C. mußte sein Grundstück bis zum 1.7.1925 räumen.

Die ersten Arbeiten wurden sofort in Angriff genommen. Im Sommer wurde das neue Bollwerk zur Oder geschlagen, die Beton-Kaimauer aufgesetzt und der Bau des Hauses unter Dach und Fach gebracht, so daß am 18.10.1924 die Schlußsteinlegung stattfinden konnte. Auch der Bau der Slipanlage wurde im Sommer begonnen und soweit gefördert, daß die Anlage bereits im Herbst 1924 benutzt werden konnte, da man einen Kanal von der Oder bis zum Slip durch den noch unausgebaggerten Hafen gegraben hatte. Der Ausbau des Hafens verzögerte sich etwas, da wegen der Räumung eines Wohnhauses auf dem zukünftigen Hafengelände erst noch Behörden und Gerichte in Anspruch genommen werden mußten. Für den Vorstand und Bauausschuß riß die Arbeit in dieser Zeit nicht ab. Durch notwendige Pfahlgründungen, Prozesskosten und anderes reichte die ursprünglich vorgesehene Bausumme nicht aus. so daß man eine Umlage von 100 RM beschloß und den noch verbleibenden Rest mit Anteilscheinen und einer Hypothek abdecken mußte.

Aber alle Schwierigkeiten wurden schließlich durch die Mithilfe der Mitglieder überwunden und so konnte unter großer Beteiligung der Spitzen der Behörden und vieler Abordnungen befreundeter Segelvereine am 11. Mai 1925 die neue Anlage eingeweiht werden.

Die Freude über den Bau des schönen Clubhauses wurde jedoch sehr getrübt durch den Verlust dreier hoffnungsvoller junger Segler aus dem Greifenclub. Hans Krüger, Wilhelm Jentsch und Martin Reichel waren zu Ostern mit der Küstenjolle „Hertha” nach Swinemünde gesegelt und unternahmen, obwohl ihnen dringend abgeraten war, die Rückfahrt am 2. Osterfeiertag bei eisigem NW und 8 Windstärken. Sie blieben in den Seen des Haffs und mußten ihren Mut und die Sorge um rechtzeitige Heimkehr mit dem Leben bezahlen.

Die vollständige Fertigstellung und Einrichtung des neuen Clubhauses zog sich noch über ein Jahr hin. Erst am 31. Oktober 1926 fand die feierliche Einweihung im großen Rahmen statt. Über das Haus selbst berichtet ein Jahrbuch:

„Unser neues stattliches Clubgebäude mit seinem markigen Turm und seinen kantigen Linien, das sich wie ein altes Normannen-Schloß wuchtig und trotzig an der Oder erhebt, paßt mit dem ausgesprochenem Charakter vortrefflich in seine Umgebung und Landschaft hinein. Das Haus hat drei Geschosse, im Keller sind Küche, Wirtschafts-, Heiz- Bade- und Toilettenräume untergebracht. Im Erdgeschoß befinden sich die Gesellschaftsräume und der Saal, im ersten Geschoß Bücherei, Vorstandzimmer‚ eine Reihe von Clubzimmern, sowie die Wohnung des Ökonoms. Im zweiten Geschoß liegen die Fremdenzimmer, die den Mitgliedern und auswärtigen Seglern Gelegenheit zum Übernachten bieten sollen. Die flachen Dächer des Hauses und des Turmes, die als Dachgärten gedacht sind, bieten eine wundervolle Aussicht auf den Strom, Wiesen, Wald und Berge. Unser neues Clubhaus dürfte unter den Clubheimen der Segelvereine Deutschlands eines der schönsten sein.“

Das Jubiläumsjahr 1927 brachte die vollständige Fertigstellung des Hafens und des Hafengeländes. Der Club schrieb im Rahmen der Pommernwoche eine Jubiläumswettfahrt aus, bei der der 45 qm nationale Kreuzer „Kamerad“ vom Swinemünder Yacht-Club neben anderen Preisen auch den letzten Kaiserpreis gewann.

Festschrift_1977_010Clubhaus und Hafen in Gotzlow

Die Zeitschrift „Die Yacht“ schrieb zum 50jährigen Jubiläum:

50 Jahre Stettiner Yacht Club
Nur wenige Clubs gibt es im Deutschen Reiche, deren Gastfreundschaft in gleicher Weise in Anspruch genommen wird wie die des Stettiner Yacht-Clubs, der heute, am 12 November, die Feier seines fünfzigjährigen Bestehens begeht.

Selten günstig gelegen, in der Mitte zwischen West und Ost der deutschen Ostseeküste, gleichzeitig auch als Ausgangspunkt der meisten Ostseereisen binnenländischer Segler, sammelt der Stettiner Yacht-Club, als der führende Verein des von ihm ins Leben gerufenen Pommerschen Regattaverbandes, alljährlich eine stattliche Anzahl schöner Yachten von Binnen und See auf seinen weit ausgedehnten Segelrevieren zu den sportlichen Kämpfen und den gesellschaftlichen Veranstaltungen der an Bedeutung mehr und mehr gewinnenden „Pommernwoche”.

Jeder, der einmal im Hafen und Heim des Stettiner Yacht-Clubs Gastfreundschaft genoß, wird, wenn auch in Gedanken nur, sich den vielen Seglern auch mit seinen Glückwünschen für das weitere Wachsen, Blühen und Gedeihen dieses Clubs anschließen, der in stetem Vorwärtsschreiten sich zu einem der führenden Küstenvereine des Deutschen Segler-Verbandes entwickelt hat und heute mit Stolz 310 Mitglieder und 60 Yachten zählt.

Viele tüchtige Männer, deren Namen Klang im deutschen Segelsport haben, leiteten die Geschicke des Clubs und fast immer hatte einer von ihnen Sitz und Stimme im Vorstande des D.S.V.

Seinen großen Aufschwung aber nahm der Club in den letzten 20 Jahren unter der Führung seines ersten Vorsitzenden Herrn Kurt Krey, der nicht nur im heimischen Segelsport, sondern auch im Verbandsleben, insbesondere in der Kreuzsegelei, eine bekannte und führende Persönlichkeit ist.

Anläßlich des Jubiläums wurde der langjährige verdienstvolle Vorsitzende Kurt Krey zum Commodore ernannt und wenig später, als der Vorsitz an Siegfried Flamme überging, wurde er Ehrenvorsitzender.

Die 1930 beginnende Arbeitslosigkeit und die schlechte Wirtschaftslage ließen auch die Mitgliederzahlen im Club sinken, so daß es schwierig wurde, die übernommenen finanziellen Lasten zu tragen, um so mehr, als auch Spenden und Gebefreudigkeit durch den wirtschaftlichen Druck nachließen.

1932 übernahm Walter Schell den Vorsitz. Sein Wirken war entscheidend dafür, daß der St. Y. C. mit seiner Existenz das Schwerste hat überwinden können, was ihm jemals ein Schicksal zufügen konnte, den Verlust der Heimat und damit den Verlust seines Hauses und der gesamten Flotte. Durch seinen Einsatz und seine Initiative gelang es nach 1945, den Club wieder zu formieren und ihm eine neue Heimat in Lübeck zu geben. Sein in Seglerkreisen bekannter Name und seine großen Regattaerfolge verschafften dem Club in seiner neuen Umgebung auch ohne materiellen Hintergrund das Ansehen und die Anerkennung, die er heute noch genießt.

 Festschrift_1977_011Eissegeln auf dem Dammschen See

Festschrift_1977_012
Commodore Walter Schell

Das Jahr 1933 brachte auch dem Segelsport einschneidende Änderungen. Eine neue Flagge erschien auf den Yachten und Seglerverband und Seglerbund werden ein einziger Verband. Damit durften alle Segler, die einem Verein angehörten, auf den Regatten starten. Frühjahr- und Herbstregatten sowie die Pommernwoche hatten Meldeergebnisse, die plötzlich die Hundert weit überschritten. 1936 beteiligte sich die „Ettsi lV“ an dem Rennen Bermudas-Cuxhaven, das anläßlich der Olympiade ausgeschrieben wurde und an der sich bis auf eine Ausnahme nur deutsche Yachten beteiligten. 1938 wurde die Schoneryacht „Seeteufel” unseres Mitgliedes Graf Luckner in unserem Hafen zu einer Weltumseglung ausgerüstet und startete von hier unter unserem Stander. ln diesem Jahr mußte auch der Segelclub „BIau-Weiß“ seinen eigenen Hafen zugunsten einer neuen lndustrieanlage verlassen und fand bei uns Aufnahme. Die Mitglieder traten mit ihren Booten zum St. Y. C. über. Einer großen Beteiligung erfreute sich eine Regatta Kopenhagen-Saßnitz‚ deren Start der K.D.Y. freundlicherweise übernommen hatte. Aus diesem Anlaß fand am Vorabend ein Empfang der Regattateilnehmer im Königlich Dänischen Yachtclub an der Langen Linie statt, bei dem Commodore Schell unseren Stander überreichte.

1939 wurde zum ersten Mal der Platz im Clubhafen eng. Die Yachtflotte stieg auf 90 Boote. Der neue Vertenskreuzer „Serena“ unseres Clubkameraden Dr. Schattenberg beteiligte sich nach einer Reise um Seeland an den Regatten der Schleiwoche und nahm an der Seewettfahrt Schleimünde-Kiel teil. Graf Luckner kehrte von seiner Weltumseglung in unseren Hafen zurück.

Im Herbst 1939 war es wieder soweit. Die Flaggen und Stander wurden niedergeholt, im Clubhaus wurde es einsam und über dem verdunkelten Stettin kündigte das Heulen der Luftschutzsirenen einen neuen schrecklichen Krieg an. Die meisten Yachten wurden außer Dienst gestellt, da die Eigner sofort einrücken mußten oder sich keine Besatzungen zur Pflege mehr fanden. Keiner aber ahnte, daß dieser zweite Weltkrieg nicht nur das Ende eines eigenen Hafens und Clubhauses sein würde, sondern den Verlust der geliebten Heimat mit ihrem herrlichen Segelrevier in sich schloß. Während des Krieges fanden offizielle Veranstaltungen überhaupt nicht statt. Das Clubhaus wurde sofort bei Ausbruch des Krieges von der Stadt Stettin beschlagnahmt und sollte als Hilfskrankenhaus eingerichtet werden, so daß es von den Mitgliedern nicht mehr benutzt werden durfte. Auf Betreiben des Vorstandes konnten zwei Räume für Versammlungen freigegeben werden.

Auf der letzten im Clubhaus stattgefundenen Hauptversammlung im März 1943 wurde Walter Schell anläßlich seiner 50jährigen Mitgliedschaft und seiner 45jährigen Tätigkeit im Vorstand sowie in Anerkennung seiner seglerischen Verdienste zum Commodore des Clubs ernannt.

Wohl takelten noch einige Yachten im Hafen auf, wohl suchten einige wenige Daheimgebliebene und Urlauber bis 1943 noch die beliebten Ziele rund um das Stettiner Haff auf, doch langsam wurde es auch dort stiller, denn der Luftkrieg nahm Formen an, die es auch den Seglern nicht mehr erlaubten, sich draußen zu zeigen. Viele Kameraden fanden den Tod auf den Schlachtfeldern.

Das Jahr 1945 brachte das Ende und zerstreute uns in alle Winde. Während die Russen schon jenseits der Oder standen, war die Bevölkerung noch in der Stadt. Alle Yachten waren noch an Land, da niemand mehr da war, um sie zu Wasser zu bringen. Stettin wurde durch die Russen besetzt und Clubhaus und Hafen fielen den Besetzern in die Hände, das Schicksal der Yachten ist bis heute unbekannt.

Die Oder—Neisse Grenze entriss uns unsere Heimat. Stettin und seine weitere Umgebung wurden unter polnische Verwaltung gestellt.

1945 – 1977 in Lübeck

Im Frühjahr des Schicksaljahres 1945 ergoß sich der Flüchtlingsstrom über ganz Deutschland. Wer nicht vorher freiwillig geflohen war, wurde ausgewiesen. Alles hatten diese Menschen verloren, mehr als eine Segelyacht und den Stettiner Yacht Club. Jeder suchte mühsam ein Dach über dem Kopf und kämpfte um das tägliche Brot.

Existenz und Beruf waren die Sorgen, die alle bedrückten. Ein großer Teil der Stettiner war auf der Flucht der Ostseeküste gefolgt und hatte versucht, in Lübeck und in Hamburg eine neue Heimat zu finden. Gemeinsame Sorgen führten auch die Yachtclubmitglieder wieder zusammen und bereits 1946 sammelte Commodore Walter Schell viele Anschriften der Mitglieder und schickte das erste Rundschreiben an die erreichbaren Clubkameraden.

Der 1948 ergangenen Einladung zu einer Versammlung nach Lübeck folgten etwa 30 Mitglieder, die unter dem Vorsitz von Commodore Schell beschlossen, den Club mit seinem alten Namen in das Vereinsregister der Hansestadt Lübeck, die auch die Patenstadt Stettins ist, einzutragen.

Zu Vorstandmitgliedern wurden gewählt:

l. Vorsitzender: Commodore Walter Schell
2. Vorsitzender: Richard Warnke
Schriftführer: Eckart Luhmann
Kassenführer: Willi Brüsewitz

Die Begeisterung und die Wiedersehensfreude war groß.

Hier stellte man fest, daß von den 90 im Hafen des Clubs liegenden Yachten nur drei unter geradezu abenteuerlichen Umständen in den Westen gerettet werden konnten. Es waren die „Gudrun V“ (Pasenow), „Klabautermann“ (Hartung) und „Stromer“ (Lenz).

Einige Unentwegte segelten auch schon auf Trave und Elbe, zwar noch nicht auf eigenen Booten, aber die Segler in Lübeck und Hamburg waren gern bereit zu helfen, ja, die aktivsten unter den Clubmitgliedern waren schon auf der Suche nach eigenen Booten.

Festschrift_1977_013In den Westen gerettet: „Gudrun V“

Festschrift_1977_014Neuanfang in Lübeck

Die Bemühungen anderer Stettiner Segelvereine, sich neu zu formieren, schlugen fehl und der Club bekam bald Zuwachs aus diesen Kreisen. 1949 wurden schon 12 neue Mitglieder aufgenommen.

Vor allem wollte man den weit im Binnenlande lebenden Clubmitgliedern eine Möglichkeit bieten, wieder segeln zu können. Es gelang auch schon 1950 die dem Lübecker Yacht Club gehörenden Yacht „Magdeburg“ für eine 14tägige Reise unter Führung von Commodore Schell zu chartern. 10 Clubkameraden waren an Bord, von denen die meisten zum ersten Mal nach dem Krieg wieder auf Schiffsplanken standen. Als erster Neubau nach dem Kriege lief die 6,5 KR Yacht „Pommernland“ Eckart Luhmanns vom Stapel.

Im nächsten Jahr 1951 veranstaltete der Club zwei Reisen. Zur „Magdeburg“‚ die nach dem Umbau jetzt „Albatros” hieß, gesellte sich „Stromer Ill”‚ die aus Stettin gerettete Ketsch unseres Clubkameraden Lenz. Bis in den Svendborgsund ging die Reise und begeistert wurden die Erlebnisse den Daheimgebliebenen berichtet. Im Herbst 1952 wurde das 75jährige Stiftungsfest in den Räumen der „Schiffergesellschaft“ in Lübeck im großen Rahmen gefeiert. Von_weit her kamen die Mitglieder herbei und bekundeten ihre alte Anhänglichkeit. Der Club erhielt Ehrungen und viele Beweise alter Freundschaft. Um das weiterleben des Stettiner Yacht Clubs brauchte niemand mehr zu bangen.

1953 wurde die Jugendabteilung mit 18 Jugendlichen neu gegründet und zur Ausbildung die Piratenjolle „Arkona” ex „HeIgoland” vom N.R.V. erworben. Zunächst wurde die Ausbildung auf der Wakenitz in Lübeck durchgeführt, später übernahm August Daentzer die Ausbildung auf der Alster in Hamburg. Lange Jahre hat die „Arkona“ treu gedient.

Mit 80 Jahren gab Commodore Schell 1953 das Ruder des Clubs aus der Hand.

Die Neuwahl ergab:
1. Vorsitzender: Richard Warnke
2. Vorsitzender: Günter Kausche
Schriftführer: Willi Brüsewitz

Noch im gleichen Jahr ging Günter Kausche nach Holland und Max Voigt wurde zum 2. Vorsitzenden gewählt.

Das Jahr 1954 brachte endlich die Erfüllung eines Ianggehegten Wunsches. Im Frühjahr wurde ein Seekreuzer als Clubboot erworben, um den vielen Mitgliedern, die weit von der Küste entfernt wohnten, wenigsten ein Mal im Jahr wieder Möglichkeit zum Segeln zu geben. Es war die ehemalige „Mia Minka” (8,60 x 3,00 x 1‚60)‚die auf den Namen „Sedina“ getauft wurde und im ersten Jahr mit 68 Chartertagen gut ausgenutzt wurde.

1955 wurde eine zweite Piratenjolle erworben und auf den Namen „Greif“ getauft und der Jugendabteilung zur Ausbildung überstellt. Das Yachtregister des Clubs wies in diesem Jahr schon 9 Kielyachten und 6 Jollen aus.

Im folgenden Jahr gab es einen Wendepunkt. Dem Club gelang es, von der Hafenverwaltung auf der Priwallseite in Travemünde eine Anlegebrücke mit 9 Plätzen zu pachten. Nun konnten die Eigner ihre Yachten hierher verlegen und damit wurde zum ersten Mal der Bestand des Clubs auch nach außen dokumentiert. Ein Schild mit Namen und Stander wurde errichtet. Die Brücke wurde zum Treffpunkt auch der nicht aktiven Segler und es entstand der Wunsch nach einem Clubheim, wenn auch bescheidenen Ausmaßes.

Festschrift_1977_015
Clubsteg in Travemünde

Dieser Wunsch ging 1957 durch den Kauf eines Hausbootes, das auf den Namen „Gotzlow“ getauft wurde, in Erfüllung. Es erfreute sich in den ersten Jahren, als die Zahl der Yachteigner nur gering war, lebhaften Zuspruchs.

Reparaturen und geringe Ausnutzung der Charter machten den Seekreuzer „Sedina“ unwirtschaftlich. So wurde er verkauft und für den Erlös ein Nordisches Folkeboot bestellt. 1959 wurde es von einer Bootsgemeinschaft überführt und auf den Namen „Sedina II“ (F/G 27) getauft.

Festschrift_1977_016,,Sedina II“

Im Herbst gleichen Jahres legte unser längjähriger‚ verdienstvoller Vorsitzender Richard Warnke sein Amt nieder. Der neue Vorstand setzte sich wie folgt zusammen:

1. Vorsitzender : Walter Käding
2. Vorsitzender : Eckart Luhmann
Schriftführer : Walter Rusch
Kassenführer : Werner Jahnke

Im Winter 1960 wurden Lehrgänge zum Erwerb des A— und B-Scheines von Clubkameraden Käding, Rusch und Daentzer durchgeführt und blieben von jetzt an ein fester Bestandteil des Winterprogramms. Clubkamerad Käding erwarb die Botteryacht „Walroß“‚ rüstete sie wieder originalgetreu aus und machte sie zu einem Schmuckstück für die Clubbrücke. Vielbeachtet wurde die ersten GFK-überzogenen Sperrholzyachten‚ die aus Dänemark stammenden LA-Kreuzer „Kathrin“ und „Tanja“ unserer Clubmitglieder Gisela Schreiber und Dr. Reichhelm.

Ab 1961 erschienen unsere Clubnachrichten wieder gedruckt in der traditionellen Form. Ein großer Erfolg. wurde das Winterfest dieses Jahres an Bord des im Hamburger Hafen liegenden Fahrgastschiffes „Bunte Kuh“ mit Gästen und Mitgliedern aus nah und fern.

Wie schon in den Vorjahren wurde ein gemeinsames An- und Absegeln nach Neustadt als Herrentour veranstaltet. Vielen Clubmitgliedern ohne Boot war so Gelegenheit gegeben, wenigstens einmal im Jahr wieder Planken unter den Füßen zu haben. Ab 1962 waren auch unsere Damen, Eignerinnen und Mitseglerinnen‚ in dem nun größeren Rahmen mit dabei und verschönten das Fest. Das Hotel „Stadt Kiel“ war für viele Jahre hindurch unser Neustädter Clublokal.

Anläßlich des 85jährigen Stiftungsfestes, das in den Räumen der „Schiffergesellschaft“ in Lübeck stattfand, stiftete der Club den „Commodore Walter Schell Preis“, mit der Bestimmung, daß er als ewiger Wanderpreis der absolut schnellsten Yacht des Clubs verliehen wird. Von nun an wurde das An- und Absegeln nach Neustadt in Form einer internen Regatta durchgeführt, deren Ergebnisse gemeinsam für den Wanderpreis gewertet wurden. Der Kurs verlief von der Travemünder Seebrücke zur Tonne Brodten Ost an Backbord, dann zur Tonne Pelzerhaken Steuerbord und das Ziel lag bei der 2. Fahrwassertonne der Neustädter Rinne. Zu diesem Wanderpreis kamen dann später der „Dr. Havemann Preis“ für die zweitschnellste Yacht, der „Berliner Bär Preis“ und der „Stettiner Kronenkompaß“.

lm folgenden Jahr 1963 erfolgte der Ausbau des Passathafens, während unsere Brücke an der Trave der Fahrwasserverbreiterung zum Opfer fiel. Der Club erhielt als Ausgleich 18 Joche an der Brücke E, zu wenig wie sich in den folgenden Jahren herausstellen sollte. Zwar gelang es durch engste Belegung, fast die doppelte Anzahl von Yachten in den späteren Jahren unterzubringen. Aber der Mangel an Liegemöglichkeiten wurde von nun an ein immer stärker werdendes Problem.

1964 brachte die Einrichtung einer Heuerstelle, einer Vermittlungsstelle der Eigner und Mitsegler für Wochenende und Urlaubstörn. Als ständige Einrichtung blieb in der Zeit nach Weihnachten ein unter starker Beteiligung durchgeführter Film- und Dia-Abend.

Festschrift_1977_017Passathafen in Lübeck w Travemünde

Am 31. Januar 1965 trauerte der Club um seinen hochverehrten Commodore Walter Schell, der fast 92jährig, rüstig und aufgeschlossen für alles bis in seine letzten Tage, in Lübeck sanft entschlief. Ein Leben für den Stettiner Yacht Club, denn 71 Jahre Mitglied, davon 65 Jahre im Vorstand und 20 Jahre als Commodore und Vorsitzender sind ein Beweis für die Treue, die dieser hervorragende Segler und Sportsmann seinem Club gehalten hat.

Das Jahr 1965 brachte im Herbst auch einen Vorstandswechsel. Die Arbeit des hochverdienten 1. Vorsitzenden Walter Käding wurde von folgenden Clubkameraden weitergeführt:

1. Vorsitzender: Werner Jahnke
2. Vorsitzender: Gerhard Weidemann
Schriftführer: Gerd Schröder
Kassenwart: Walter Rusch

Zum erweiterten Vorstand wählte man

Lübecker Belange: Dr. Ernst Dehl
Jugendwart und Regattaleiter: August Daentzer
Brückenwart: Johannes Heusler

Zum neuen Commodore ernannte die Clubversammlung Eckart Luhmann,
unseren ältesten aktiven Segler, der bereits als Schüler dem Club beitrat‚ Gründer
des „Greifenclubs“, unserer Stettiner Jugendabteilung, war und auch im neuen
Revier schon 1949 zu den ersten zählte, die wieder ein eigenes Schiff unter
unserem Stander führten.

1966 mußten wir uns von unserem Clubheim „Gotzlow” trennen, nachdem
es in den letzten Jahren nicht mehr bewirtschaftet war und nur noch als Unterstellraum diente. Es wurde Herrn Schwarz übereignet, der sich in den vorausgegangenen Jahren um die Betreuung der Clubbrücke und der „Gotzlow“ sehr verdient gemacht hatte.

Dann begann das Jubiläumsjahr 1967. Das 90jährige Stiftungsfest fand in den Räumen der „Gemeinnützigen Gesellschaft” in Lübeck statt, wo 1948 einst 30 alte Mitglieder beschlossen hatten, den Stettiner Yacht-Club weiter leben zu lassen.

Der Gesellschaftsabend war ein voller Erfolg. 240 Mitglieder und Gäste füllten
die gemütlichen Räume und der Club konnte viele Vertreter befreundeter Clubs
aus alten und neuen Tagen unter ihnen begrüßen. Anläßlich des Jubiläums
wurden neben vielen Geschenken auch einige Wanderpreise gestiftet.

1. Seemeilenpreis – gestiftet vom akademischen Segelverein Berlin
2. Navigationspreis – gestiftet von Kapitän Gaedtke (Lübeck)
3. Clubregatta-Preis – gestiftet von Dr. Havemann
4. Berliner Bär-Preis – gestiftet von Hans Ulrich Kersten
5. Regatta-Preis – gestiftet von Dr. Tetzlaff

In diesem Jahr erwarb Dr. Havemann, der vorher eine Vertenskonstruktlon
gesegelt hatte, den Neubau „Struntje IV“, einen 7,9 KR vermessenen 12,25 m
langen Seekreuzer in schönstem Mahagoni von A & R, ein Schmuckstück für
unsere Brücke. Der Eigner war und ist ein begeisterter Regattasegler und beteiligte
sich an fast allen bedeutenden Regatten der Nord- und Ostsee. Oft las man den

Festschrift_1977_017aEckart Luhmann

Namen unter den Preisträgern, besonders anerkennenswert, weil Dr. Havemann die Yacht mit seiner Familie segelte. In der Herbstversammlung 1968 trat ein Wechsel im Vorstand ein. Als neuer
Kassenwart wurde Ulrich Pust und als neuer Schriftführer Erich Roggenbaum gewählt, so daß sich der Vorstand wie folgt zusammensetzte:

1. Vorsitzender: Werner Jahnke
2. Vorsitzender: Gerhard Weidemann
Schriftführer: Erich Roggenbaum
Kassenwart: Ulrich Pust

Die Bemühungen um ein eigenes Grundstück an der Trave in der Nähe der Herreninsel nahmen 1969 einen großen Raum in der Vorstandsarbeit ein, scheiterten aber, als sich die Herbstversammlung dagegen entschied. „Struntje IV“ machte eine Reise rund England mit Familiencrew. Dr. Havemann ließ alle Clubkameraden an einem Dia-Abend daran teilnehmen. Eine goldene Plakette der Kreuzer-Abteilung des DSV war der äußere Lohn für die sorgfältig vorbereitete Reise, bei der in 43 Tagen 2281 sm gesegelt wurden.

Unser An- und Absegeln erfreute sich einer immer größer werdenden Beliebtheit und viele Gäste befreundeter Clubs nahmen daran teil. Anregungen, diese internen Regatten nach Grömitz oder Fehmarn durchzuführen, erwiesen sich als unzweckmäßig und mit den vorhandenen Sicherheitsfahrzeugen nicht durchführbar. 1970 waren es 21 Yachten, die um Preise stritten.

Schon im Herbst 1969 hatte, durch eine Spendenaktion Dr. Tetzlaffs ermöglicht, der Club einen „Soling”-Neubau bei Elvström in Dänemark bestellt. Im Juni 1970 wurde das neue Schiff (G 33) geholt, so daß die Regatten der Kieler Woche gerade noch mitgesegelt werden konnten. Mit Begeisterung war unsere Crew mit Dr. Tetzlaff als Skipper dabei und konnte mit dem noch ungetrimmten Boot in einem Feld von 70 Booten gute Mittelplätze halten. Im Juli wurde das Boot auf den Namen „Greif“ getauft.

Im gleichen Jahr starb Werner Jahnke. An seiner Stelle wurde Dr. lng. Lebrecht Tetzlaff in den Vorstand des St. Y. C. gewählt.

Um das Regattasegeln der Jugendabteilung zu fördern wurde beschlossen, eine 420 Jolle zu kaufen. Es gelang auch, 2 Räume für die Übernachtung der Jugendlichen, insbesondere der Soling-Crew, in den Gebäuden des Passathafens zu mieten, in denen auch Segel und Inventar untergestellt werden konnten. Leider lief diese Regelung nur ein Jahr.

Da bot sich die Möglichkeit, in einem danebenliegenden Gebäude Räume in der 1. und 2. Etage zu mieten. Sie wurden ausgebaut, mit Heizung versehen und eingerichtet. Die erste Etage wurde an Herrn Schwarz vermietet und in der 2. Etage ein Vorstandszimmer, ein Aufenthaltsraum mit Schlafmöglichkeit und eine Abseite eingerichtet, so daß dem Club nun wenigstens ein kleines

Festschrift_1977_018

Jugendausbildung im 420er

Heim gehörte. Die Mittel wurden in großzügiger Weise von Mitgliedern gestiftet,
handelte es sich doch um Geldspenden und Arbeitsleistungen von 20.000,- DM.

Da ein großer Teil der Yachtflotte sein Winterlager auf den Parkflächen des
Passathafens hatte, wurden Arbeitsräume unten im Keller eingerichtet, und von
den Eignern als Mastschuppen in Anspruch genommen.

Clubkamerad K.A. Stolze beteiligte sich im Herbst 1971 an der Soling-Weltmeisterschaft auf dem Long Island Sound bei New York. Er erreichte mit seiner Crew den 21. Platz bei 55 Teilnehmern, nachdem er vorher in Kiel deutscher Meister geworden war. Auch die Regattabeteiligung anderer Clubkameraden war in diesem Jahr besonders rege. Verschiedene Yachten nahmen an den Regatten der Nordsee-Woche, der Kieler Woche und der Tavemünder-Woche Teil. K. Krogmann wurde mit dem clubeigenen 420er auf der Alster Hamburger
Jugendmeister und konnte„ auch auf anderen 420er Regatten gute Plätze erzielen.

Eine Satzungsänderung erweiterte 1971 den Vorstand auf 7 Mitglieder, die
von nun ab für 2 Jahre gewählt wurden. Zu den 4 wiedergewählten Vorstandsmitgliedern kamen:

Sportwart: K.A. Stolze
Brückenw.: J. Heusler
Jugendobm.: K. Krogmann

Damit war auch ein von der Jugendabteilung gewählter Vertreter Mitglied
des Vorstandes. In den Ältestenrat wurden Commodore Luhmann, H. Peschlow,
F. Schröder, B. Thiel und G. Weidemann gewählt.

Durch die großzügige Spende Konsul Hagensteins kam der Club 1971 zu einer
zweiten Soling (G 109), die von der Gattin des Stifters auf den Namen „Vineta“
getauft wurde. Beide Boote nahmen am Training der Nationalmannschaften in
Kiel Teil und zwar mit Mannschaften aus der Jugendabteilung. Sie hatten es
natürlich gegen die Elite der Solingsegler schwer, konnten sich aber im Feld behaupten. Ähnlich war es auf der Travemünder Woche. Hier konnte die „Vineta”
mit einem 3. Platz den besten Tagesplatz erreichen. Bei den Herbstregatten auf der Alster erreichte nach einem Crewwechsel „Greif“ den 3. und „Vineta”
den 4. Platz.

Die für den Transport und die regattamäßige Ausrüstung der beiden Soling-
Yachten, sowie Startgelder und Unterbringungen der Mannschaften anfallenden
Kosten waren hoch. Der Club wollte aber den Jugendlichen die Möglichkeit
bieten, sich in einer modernen Kielbootklasse zu versuchen. Die Trainingsmöglichkeiten mit Regatten einer ortsgebundenen Flotte waren leider nicht
gegeben, da es im Lübecker Raum zu wenig Boote gab. Im nächsten Jahr kam
das Mannschaftsproblem hinzu. Wohl war die Begeisterung für die Soling-
Yachten groß, aber nicht immer war die Zeit, die neben den Regatten für die
Pflege, die Reparatur und vor allem für den Transport der Boote unbedingt
nötig war.

Zudem neigte sich die Gunst der Jugendlichen mehr den 420er zu, da bei
diesem Typ viele der oben angeführten Gründe fortfielen. Vor allem wurden
leichtere Trainingsmöglichkeiten durch große Felder und mehr Regattaserien
geboten.

So nahm unser 420er „Odin“ mit B. Stöter und H.J. Krüger an 78 Regatten
teil und konnte mit 7 Preisen den 29. Platz der Bestenliste des DSV von 86
erreichen. Dabei erwies es sich als richtig, den schon 1971 gekauften 420er
„Arkona“ (G 18663) nur als Trainingsboot und Ausbildungsboot einzusetzen,
und die neuen 420er einer festen Crew saisonweise zu überlassen.

In der Herbstversammlung 1973 wurde ein neuer Vorstand gewählt, da
Dr. Tetzlaff nicht wieder kandidieren wollte:

1. Vorsitzender: Horst Wenzig
2. Vorsitzender: Karl August Stolze
Schriftführer: Erich Roggen baum
Schatzmeister: Hans Jürgen Burmester
Sportreferent: Peter Ochsen
Hafenmeister: Johannes Heussler
Jugendobmann: Heiko Leuschke

Schon Jahre zuvor waren neue Mitglieder nur ohne Anspruch auf einen
Liegeplatz aufgenommen worden. Die freiwerdenden Liegeplätze im Passathafen wurden nach Eintrittsdatum vergeben. Sehr bald bemühte sich Horst
Wenzig um zusätzliche Liegeplätze und konnte „Am Stau“ für einige Boote
Platz schaffen. Leider ließ sich der Plan, einen Teil des Grundstückes zu kaufen,
nicht verwirklichen, da das Gelände insgesamt verkauft werden sollte.

Die Clubflotte lag Anfang der 70er Jahre mit ihrem Schwerpunkt am Steg
E des Passathafens in Travemünde, ein großer Teil der Yachten, insbesondere
auch alter Stettiner Mitglieder, war aber auf andere Reviere verteilt. So segelten
unter dem St. Y. C.-Stander Yachten auf Berliner Gewässern, dem Bodensee,
auf der holländischen Seenplatte und der Nordsee. Aber auch in anderen Ostseehäfen lagen Yachten des Clubs.

Die größten Veranstaltungen des Clubs blieben das An- und Absegeln. 1973 gab es schon 40 Meldungen, so daß in 2 Gruppen gestartet wurde. Das Hotel „Stadt Kiel“ in Neustadt konnte die 176 Clubkameraden und Gäste kaum fassen und auch die Liegemöglichkeit im Neustädter Hafen wurde durch Fahrgastschiffe stark eingeschränkt. Trotzdem konnte man sich schwer von der alten Tradition trennen. So wurde beschlossen, das An- und Absegeln in Form einer Dreiecksregatta durchzuführen. Die neue Regelung bot bei den üblichen Windrichtungen eine Kreuzstrecke, alle Yachten hatten ihren Liegeplatz im Passathafen und der neue Gemeinschaftsraum des Sportamtes bot Platz für alle.

Gemeinsame Pfingstfahrten und eine gemeinsame Wochenendfahrt mit Jugendlichen förderten die Clubgemeinschaft sehr. So waren auch die Winterfeste und die Film- und Diaabende gern und gut besuchte Veranstaltungen.

An der Operation Sail 1974 in Danzig nahm der LA-Kreuzer „Kathrin” von Gisela Schreiber teil. „Olykos“ des Clubkameraden Dr. Gutjahr wurde, wie jedes Jahr, ans Mittelmeer getrailert und erhielt für seine Kreuzfahrten in der Agäis den Seemeilenpreis des Clubs.

Wenn neue Mitglieder auch nur ohne Anspruch auf einen Liegeplatz angenommen wurden, bemühte sich der Vorstand doch, neue Liegemöglichkeiten zu schaffen oder wenigstens nachzuweisen. Verschiedene Objekte waren 1975 in Betracht gezogen worden. Erwähnt sei hier eine Marina Großenbrode am Fehmarnsund, eine Erweiterung des ehemaligen Fährhafens des Trajektes Großenbrode-Fehmarn, sowie der Neubau eines Yachthafens in Lemkenhafen auf Fehmarn. In beiden Fällen handelte es sich um langjährige Pachtungen ohne den Erwerb von Eigentum, der allein dem Club eine Sicherheit für die großen Summen gab, die investiert werden mußten. Ein Gesetz der Landesregierung, das Nutzungsrecht in diesem Gebiet für nur 5 Jahre zu vergeben, ließ die Vorhaben schließlich scheitern.

Um den verschiedenen Typen unserer Yachtflotte bei den Regatten des An- und Absegelns einigermaßen gerecht zu werden, wurden alle Boote nach der Ausgleichsformel des Seawanhaka Yacht Clubs vermessen, die nur 2 Meßwerte (Länge und Segelfläche) berücksichtigt. Sie lautet:

Festschrift_1977_018awobei L Länge in der CWL und F Segelfläche des Großsegels und der Normalfock bedeuten. So war die Grundlage für eine Klasseneinteilung gegeben. Tonnerklassen und Einheitsyachten segelten jedoch bei genügender Beteiligung ohne Vergütung und bildeten eigene Klassen. Da nur wenige Yachten mit Spinnaker ausgerüstet waren, war dessen Benutzung nicht gestattet.

Das Jahr 1976 begann mit der Beteiligung der „Struntje V“ des Clubkameraden Dr. Havemann am Kapstadt-Rio-Race, das trotz einer Großbaumhavarie mit dem 3. Platz abgeschlossen werden konnte. Am An- und Absegeln beteiligten sich über 50 Yachten, darunter Gäste des Akademischen Seglerverein zu Greifswald, der seinen Sitz an der Medizinischen Hochschule in Lübeck hat, der Baltischen Seglervereinigung und des Schwartauer Seglervereins.

Eine erfreuliche Vergrößerung der Yachtflotte erfuhr der Club durch den Erwerb des Eintonners „Swantevit“ Dr. Luhmanns (Carter 37). An zahlreichen Regatten nahm er im Laufe des Jahres teil und erreichte gute Plätze. War dem Club durch den frühen Tod des Eigners die allen ins Auge fallende Botteryacht „Walroß“ durch Verkauf verloren, so bildete nun die 30t Kutteryacht „Equinoxe“ des Clubkameraden Meyer eine Zierde des Steges im Passathafen. Er hatte sie mit nur kleiner Besatzung aus England geholt.

Ein Versuch, im neuen Yachthafen der Stadt Heiligenhafen Platz für einen Steg zu kaufen oder zu pachten, ließ sich nicht verwirklichen, da die Stadt selbst einen weiteren Ausbau ihrer Anlagen beabsichtigte. So bleibt die Bereitstellung von Liegeplätzen ein Hauptproblem. Vorstand und Mitglieder bemühen sich unentwegt um die Beschaffung eines Ufergrundstücks, das eine Möglichkeit zur Errichtung von Stegen und Winterliegeplätzen bietet, denn unsere Plätze im Passathafen sind restlos vergeben. Und dieses Problem bleibt auch im Jubiläumsjahr 1977. Der Club hat 231 Mitglieder und 86 Yachten. Lange schon überwiegt die Anzahl der neuen Mitglieder die Zahl der alten Stettiner, die vollzählig das Jubiläum ihres Clubs mitfeiern werden.

1877 bis 1977. Über 3 Generationen geht die Geschichte unseres Clubs. 32 Jahre, etwa ein Drittel der Zeit, lebt der Club in seiner neuen Heimat Lübeck. Wie ein Zeitdokument — von unserer Sicht betrachtet — ist diese Aufzählung von Ereignissen im Laufe von Jahren und Jahrzehnten. Alles ist fliessend, nichts beständig, vieles hat sich gewandelt im Verlauf von Jahren und Jahrzehnten. Eines aber ist geblieben, das Bekenntnis zur See, die Liebe zum Wasser und unserem Segelsport. Damals wie heute kämpfen unsere Clubkameraden auf den Regattabahnen und führen ihre Yachten in die entlegensten Häfen der Nord- und Ostsee, ja sogar ins Mittelmeer und über den Atlantik, stolz auf den blauen Ständer mit dem roten Greifenkopf im weißen Feld unseres geliebten Stettiner Yacht-Clubs.

Es lebe, blühe und gedeihe der Stettiner Yacht-Club heute, morgen und für alle Zeit!

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Festschrift_1977_0212. Kaiserpreis

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